Gerardo Núñez y Carmen Cortés Reunión Flamenca

Gerardo Núñez git
Carmen Cortés dance
David Carpio vocal
Pablo Martin b
Angel Sánchez "Cepillo" perc

Eine Flamenco-Show, so farbig und temperamentvoll wie nur selten. Vom puristischen Konzert für Gesang und Gitarre schlägt sie den Bogen bis zur Funken sprühenden Fiesta. In ihrer Mitte zwei der weltweit renommiertesten Protagonisten des zeitgemäßen Flamenco im heutigen Spanien: der Gitarrist Gerardo Núñez und die Tänzerin Carmen Cortés.

Andando el tiempo, der Titel einer seiner zahlreichen CDs, mit der Zeit gehend, damit zu spielen; das war stets ein Antrieb im künstlerischen Schaffen von Gerardo Núñez. Eigentlich ist er seiner Zeit immer einen Schritt voraus. Das brachte ihm den Ruf eines Modernisierers des Flamenco ein. Nach der Mode richtete sich Gerardo Núñez jedoch nie. Sein Werk ist geprägt von starker Persönlichkeit, die im Flamenco ihresgleichen sucht. Gerardo Núñez geht seinen eigenen Weg. Er tut dies sehr bewusst und betont es mit seinen sechs Saiten.

Bereits seine erste Platte "Flamencos en Nueva York" fand 1987 in der Flamencowelt ein Echo wie ein Paukenschlag. In technischer und musikalischer Hinsicht muss sich Gerardo Núñez schon das Wort "Erneuerer" gefallen lassen, auch wenn er das gar nicht gerne hört: "Das Gerede von Fusion, und vor allem von der vielbeschworenen Reinheit im Flamenco, der Pureza, ist kompletter Unsinn". Seine Vision vom Flamenco ist sonnenklar, das Wesen seiner Musik ist offen für alles und jeden. Ein weiter Horizont, neue Stimmungen, eine präzise und ungeheuer schnelle Spielweise, Virtuosität und profundes Flamenco-Wissen prägen die Kunst von Gerardo Núñez.

Er wurde 1961 in der Wiege des Flamenco, der andalusischen Stadt Jerez de la Frontera, geboren. Den Flamenco hat er von der Pike auf gelernt. Schon als kleiner Junge spielte er für alle großen Sänger seiner Stadt, die wichtigsten Flamencosänger der Epoche, für Legenden wie Terremoto, Tío Borrico, La Paquera de Jerez. Auch heute als erfolgreicher Sologitarrist, begleitet er ab und zu die Größen des Gesangs. Mit Carmen Linares produzierte er 2002 das Erfolgsalbum "Ramita de locuras".

Doch immer gab es den Drang nach Neuem. Das führte ihn nach Madrid. Die pulsierende Metropole ist heute seine Heimat. Hier betreibt er sein eigenes Tonstudio und lebt und arbeitet mit seiner Frau Carmen Cortés. Sie ist Flamencotänzerin und eine der kreativsten und einflussreichsten Bailaoras im aktuellen Flamenco.Einige der wichtigsten Bühnenproduktionen der letzten Jahre sind das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit des Traumpaars Carmen Cortés/Gerardo Núñez.

Als Solist hat Gerardo Núñez schon viele Platten veröffentlicht. Mit ihnen stieß er dem Flamenco neue Türen auf. Die Kooperation mit Jazzmusikern brachte ihm ein ganz neues, viel größeres Publikum. Seine CD "Jazzpaña II" (mit Chano Dominguez, Michael Brecker, Jorge Pardo u.v.a.. / ACT 9284-2) gewann den "Preis der deutschen Schallplattenkritik 1/2001" und den "German Jazz Award". Gerardo Núñez würde sich nie für ein Projekt verbiegen lassen. Das Geheimnis seines Erfolges ist vielleicht seine authentische Art – schon nach wenigen Takten weiß der Flamencofan, dass es sich nur um Gerardo Núñez handeln kann.

"Andando el tiempo", aufgenommen in seinem eigenen Studio "El Gallo Azul", ist wieder ein Meilenstein auf seinem Weg. Zahlreiche Musiker wirken daran mit, darunter die Jazzer Paolo Fresu (tp), Perico Sambeat (sax) und Mariano Diaz (piano) - und natürlich mit ihrem rhythmischen Klatschen seine Frau Carmen Cortés. Seine wichtigsten Stützen sind die beiden Mitglieder des Trios, mit dem er häufig Konzerte gibt. Der ebenso treibende wie sensible Percussionist Cepillo und am Kontrabass Pablo Martín, ein Virtuose an seinem Instrument.

Im September 2004 erschien Núñez drittes ACT Album „Andando El Tiempo" (ACT 9426-2). Es präsentiert in elf Titeln unendliche Weiten irgendwo zwischen Flamenco und Jazz; ein Universum, wie es nur Gerardo Nuñez schaffen kann.

Auch das 2012 erschienene Album Travesía (ACT 9534-2) ist ein weiteres Dokument vonNúñez grenzübergreifenden musikalischen Denkens
. Pop, Funk, Jazz und Latin frischen Gerardo Núñez` Flamenco auf, den er mit unvergleichlicher Technik und rauschendem Herzblutzelebriert. Der Spiegel jubelte, dass man sich bei aller stilistischen Offenheit auf „Travesia“ nur eines sicher sein, „dass Gerardo Núñez einfach grandiose Musik macht“. Bei dieser aktuellen Aufnahme leisteten seine Frau, die berühmte Tänzerin Carmen Cortéz. Beteiligt waren an „Travesia“ neben Núñez’ Frau, der berühmten Tänzerin Carmen Cortéz, namhafte Jazzer, wie der Saxofonist Perico Sambeat und Pianist Albert Sanz und ebenfalls Percussion-Legende „Cepillo“, der sich auch als Mitproduzent verantwortlich zeichnet.

Gemeinsam geht es ihnen darum Geschichten der großen Überquerung zu erzählen – la travesía – die so viele Afrikaner auf ihrer Flucht aus dem Heimatland über das Mittelmeer nach Spanien erleben. „Travesia“ steht für einen offenen Empfang in der neuen Heimat, symbolisch über allemusikalischen Schlagbäume hinweg.

Für Carmen Cortés' weltweit bekannte Compañía de Danza schrieb Núñez verschiedene Werke, die in Koopertion mit dem spanischen Kulturministerium weltweit aufgeführt wurden, u.a. in der Oper Brüssel, dem Festival in Havanna/Cuba, in New York oder bei der Biennale in Sevilla. “Reunión Flamenca" ist das aktuellste Projekt in der langjährigen, erfolgreichen Zusammenarbeit des Gitarristen und Komponisten mit der Tänzerin und Choreografin.

Als Tochter andalusischer Eltern in Barcelona geboren, sammelte Carmen Cortés ihre ersten tänzerischen Erfahrungen außerhalb des Flamenco: Sie lernte klassischen Tanz an der Escuela del Ballet Nacional. Für das avantgardistische Tanzstück “Acontraluz" formierte sie ihre eigene Kompagnie. In “Flamenco-Flamenco" zeichnete sie die Geschichte und Entwicklung des Genres, in “Cantes de ida y vuelta" seine hispanoamerikanischen Bezugslinien nach.

Mit Gerardo Núñez erarbeitete sie ein Stück für die Fusion von Flamenco und Jazz und schloss sich damit der Bewegung des Jungen Flamenco an. 1993/94 unternahm sie mit “El amor brujo" eine Tournee für das spanische Kulturministerium, wobei sie ihren Tanz von vier Flamenco-Gitarren begleiten ließ. 1995 realisierte sie eine Hommage an Spaniens Nationaldichter Federico García Lorca, um dann im folgenden Jahr dessen berühmtes Stück “Yerma" zu choreografieren - Komposition und musikalische Leitung: Gerardo Núñez. Mit ihm schuf sie überdies 1997 eine Flamenco-Version von Oscar Wildes “Salomé". Ihr bislang letztes Stück, “Racial", stellten die beiden anlässlich der Universiade '99 in Palma de Mallorca vor.


Aktuelles Projekt:
Ungewöhnliche Begegnungen führen oft zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Wie bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ im Oktober 2014, als Kurator Siggi Loch überraschend den Schweden Ulf Wakenius als zweiten Gitarristen neben dem Flamenco-Nuevo-Meister Gerardo Núñez präsentierte, um sein genreüberschreitendes Jazzpaña-Projekt auf eine neue Entdeckungsreise zu schicken. „Eine gewaltige Fiesta“ (Der Tagesspiegel) war das Ergebnis. Die erste Begegnung der beiden schlug musikalische Funken und hinterließ Spuren. Ein gemeinsames Album, ganz auf ihr Zusammenspiel fokussiert, war die logische Konsequenz. Und so lud Núñez seinen schwedischen Kollegen zur Fortsetzung nach Madrid ein…
„Der Begriff Logos, zurückgehend auf den griechischen Ausdruck λóγος, beschreibt für mich das Geheimnis unseres Zusammentreffens“, beschreibt Núñez die Idee zum Albumtitel. Bedeutungsreich und sinnhaft, aber nicht wirklich auf einen Nenner zu bringen, sagt „Logos“ doch so viel aus, was dem Zwiegespräch der beiden Gitarristen innewohnt: Aus musikalischen Wörtern entsteht Rede, Dialog, Erzählung, Diskussion, Definition und damit Sinn. Aber auch Rücksicht, Wertschätzung, Verhältnis und Vernunft steckt in der Bedeutung von „Logos“ und wird damit quasi zur Syntax intensiven miteinander Musizierens.

Gerardo Núñez & Ulf Wakenius
Logos – ACT 9822-2
Veröffentlichungsdatum: 27.05. 2016