Daniel Humair spielt das erste Mal im Alter von sieben Jahren Trommel und dies im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der Genfer Blaskapelle. Seit seinem 14. Lebensjahr
zeigt er eine Begeisterung für den Jazz aus New Orleans und engagiert sich daraufhin in zahlreichen Amateurformationen, bevor er schließlich den modernen Jazz für
sich entdeckt. Er macht von nun an den Jazz zu seinem Beruf, und wird zum professionellen Musiker, nachdem er 1995 den ersten Preis in den drei Kategorien des Züricher Festivals für Amateurmusiker davon getragen hat. Daraufhin verbringt er einige Jahre in der Schweiz, Belgien, Schweden und Deutschland. Durch sein Engagement in mehreren Formationen, eignet er sich autodidaktisch seine ganz persönliche Technik an, um erfolgreich in der Gruppe musikalisch zu improvisieren. 1958 entscheidet er sich dazu sein Glück in Paris– der Hauptstadt des europäischen Jazz - zu versuchen. Dort arbeitet er mit legendären Künstlern wie Don Byas, Lucky Thompson, Kenny Dorham, Bud Powell, Oscar Petitford, Chet Baker oder Eric Dolphy. Aber eigentlich wäre es einfacher die Musiker aufzuzählen, mit denen Daniel Humair nicht gespielt hat, denn abgesehen von Miles Davis oder Sonny Rollins, hat er an der Seite der meisten Jazzmen der letzten 30 Jahre gespielt.

1959 beginnt Daniel Humair seine langjährige Zusammenarbeit mit Martial Solal, spielt häufig mit Pierre Michelot, René Urtreger, Barney Wilen, Michel Hausser, Stéphane Grappelli im berühmten Club Saint Germain und trifft dort auf all die Jazzgrößen, die ein paar Tage in Paris verweilen. In den 60er Jahren gründet Daniel Humair gemeinsam mit dem Violonisten Jean-Luc Ponty und dem Organisten Eddy Louiss ein Trio. Im Club Caméléon nehmen sie zwei Platten auf, die kürzlich neu aufgelegt wurden. Er begleitet zwei Jahre lang die Swingle Singers , nimmt dann Teil an der berühmten Formation um Phil Woods: European Rhythm Machine. Dank dieser internationalen Bühnenpräsenz ernennt ihn 1970 der Down Beat International Critics Poll zum Drummer Deserving Wider Recognition. Einige Jahre lang spielt und nimmt Daniel Humair Platten als Freelancer auf und dies mit Musikern wie Jim Hall, Lee Konitz, Art Farmer, Joe Henderson, Dexter Gordon, Franco Ambrosetti, Georges Gruntz, Johnny Griffin, Herbie Mann, Anthony Braxton, Hampton Hawkes und vielen anderen, bevor er mit Francois Jeanneau und Henri Texier ein Trio bildet. Diese Gruppe gilt seither als einer der Katalysatoren des neuen Jazz in Frankreich.

Er verfolgt weiter seine Freelance-Karriere und gründet zur gleichen Zeit als Co-Leader mit Joachim Kuhn und Jean-Francois Jenny Clark ein Trio, das ihm ermöglicht seine Konzeption des modernen Schlagzeugs weiter auszufeilen und seiner Arbeit als Komponist nachzugehen. Diesem Trio soll von nun an sein Hauptaugenmerk gelten, genauso wie seiner Zusammenarbeit mit Michel Portal, Richard Galliano, Jerry Bergonzi oder David Liebman.

Daniel Humair hat die Möglichkeit an einem Großteil der wichtigsten Jazzfestivals teilzunehmen, darunter Newport, Monterey, Paris, Berlin, Montreux, Chicago, Barcelona, Nizza, Antibes, und viele andere. Neben seiner Karriere als Schlagzeuger widmet sich Daniel Humair zudem intensivst der Malerei. Seine Malerei, die sich durch ihre expressionistische Abstraktheit auszeichnet, ist in mehreren internationalen Galerien wie auch in öffentlichen und privaten Kollektionen zu sehen. Sein Interesse an der Verbindung zwischen visuellen Künsten und Musik gab ihm mehrere Male die Möglichkeit Musik für Film und Fernsehen zu komponieren oder als Solist vorzutragen. Er ist zudem Erfinder einer Art Schlagzeug zu spielen, die im Leduc Verlag veröffentlicht wurde. Der Stil, der in dieser Methode angewendet wird, ist das Ergebnis von Humairs langjähriger Arbeit als Lehrer.

Daniel Humair gilt sicherlich als einer der Säulen des modernen Jazz in Europa. Seit den 50er Jahren ist er zudem fester Bestandteil der internationalen Jazzszene. Nach all den Jahren, die er sich der Improvisationsmusik gewidmet hat, bekommt er 1986 und 1992 dafür eine Art Belohnung, als er zum Ritter wie auch zum Officier des Arts et des lettres durch die französische Regierung ernannt wird. 1987 erhält er den Grand Prix du Jazz der Sacem, den Prix Charlie Parker der Académie Disque und den Preis In Honorem der Académie Charles Cros für sein Lebenswerk. 1997 wird er von der Académie du Jazz zum europäischen Musiker des Jahres gewählt und 2000 erhält er den Victoires de la Musique für seine Arbeit mit dem Trio HUM.

2003 bekommt er für sein Album Baby Boom, das er mit Christophe Monniot, Manuj Codjia, Matthieu Dornarier und Sébastien Boisseau aufgenommen hat, Unmengen an guten Kritiken. 2007 entsteht Tryptic gemeinsam mit Jean Paul Celea und Francois Couturier. 2008 vereint er sich mit Joachim Kühn und Tony Malaby, um Full Contact aufzunehmen und im gleichen Jahr wird sein neuestes Opus Baby Boom II erneut mit positiven Kritiken überhäuft. 2010 nimmt er mit Tony Malaby und Bruno Chevillon das Album Pas de dense wie auch das Album I will follow you für das Label BEE Jazz mit Ben Monder und Jérôme Sabbagh auf. Zwei Platten, die ebenso sehr von den Kritikern geschätzt und mit einer Vielzahl von Auszeichnungen versehen wurden.

2011 ist geprägt von der Begegnung mit einem Label, Laborie Jazz. Aber eigentlich handelt es sich dabei um die Begegnung zweier Freunde, die sich während einiger Jahre aus den Augen verloren hatten. So spielen hier viele Elemente zusammen: die Wiederaufnahme einer Karriere, die kürzliche Gründung eines Labels, die Diskussion und der Austausch um den Platz des Künstlers und der Musik in unserer Welt und unserer aktuellen Stimmung und der einstimmigen Entscheidung diese gemeinsame Leidenschaft auszuleben. Gesagt, getan. Und mit „Sweet & Sour“ begegnet uns Daniel Humair jünger und kreativer als je zuvor. Er wird bei diesem Projekt durch ein Trio an Musikern unterstützt wird, welches vor Energie nur so strotzt. Lediglich die Bühnenauftritte übertreffen dabei noch den Sound der Platte. Mit ihrem Repertoire gibt dieses neue Quartett seither Konzerte in den besten Sälen und auf zahlreichen Festivals in Europa.